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Stoffbedarf für Gardinen berechnen

Bahnen, Zuschneidelänge und Meterbedarf aus Schienenbreite, Kräuselfaktor und Stoffbreite — mit Rapport-Zuschlag und Querbehang-Prüfung.

Stoffbedarf gesamt: 11,32 mBahnen 4 · Zuschneidelänge je Bahn 283 cm

SchätzwertPro Bahn sind 3 cm für Nahtzugabe und Webkante abgezogen. Der Wert ist bewusst großzügig — es bleibt eher etwas übrig. (3 cm)

Bahnenzahl und Rapportwiederholungen werden immer aufgerundet. Wird gerundet, fehlt Stoff.

Zwei Aufrundungen, die über die Stoffmenge entscheiden

Der Rechner rundet an zwei Stellen immer auf, nie kaufmännisch: bei der Zahl der Bahnen und bei der Zahl der Rapportwiederholungen. Ein Vorhang lässt sich nicht aus einer angebrochenen Bahn oder einem angeschnittenen Musterrapport nähen, also wird jedes Mal aufgerundet, auch wenn der Rest nur wenige Zentimeter beträgt.

Beispiel Bahnenzahl: Eine benötigte Gesamtbreite von 306 cm geteilt durch eine nutzbare Stoffbreite von 137 cm ergibt 2,23. Aufgerundet sind das 3 Bahnen. Wer stattdessen kaufmännisch rundet, landet bei 2 Bahnen = 274 cm – der Vorhang fehlt dann 32 cm in der Breite.

Beispiel Rapportzahl: Bei einer Zuschnittlänge von 285 cm und einem Musterrapport von 64 cm ergibt 285 ÷ 64 = 4,45. Aufgerundet sind das 5 Wiederholungen = 320 cm Zuschnittlänge pro Bahn. Wer auf 4 abrundet, kommt nur auf 256 cm – kürzer als die eigentlich benötigte Zuschnittlänge.

Rapport: der unterschätzte Mehrverbrauch

Ein Musterrapport treibt den Stoffbedarf spürbar in die Höhe, weil jede Bahn auf den nächsten vollen Rapport aufgerundet werden muss und weil die Bahnen zueinander passen müssen. Standardbeispiel: Schiene 200 cm, Fertiglänge 250 cm, Stoffbreite 140 cm, Faltenfaktor 2,5, Gardinenband. Unifarben ergeben sich 4 Bahnen × 285 cm = 11,4 m. Mit einem Rapport von 64 cm werden daraus 4 × 320 cm + 3 × 64 cm = 14,72 m – 3,32 m mehr als beim unifarbenen Stoff. Deshalb weist der Rechner diesen Mehrverbrauch als eigene Zeile getrennt von der Gesamtsumme aus, statt ihn in einer einzigen Zahl zu verstecken.

Querbehang – nur bei unifarbenem Stoff möglich

Querbehang bedeutet, den Stoff um 90 Grad gedreht zu verarbeiten, sodass die Webkante oben und unten liegt statt seitlich. Das funktioniert nur, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Die Stoffbreite ist mindestens so groß wie die benötigte Zuschnittlänge, der Musterrapport ist 0, und das Muster hat keine Laufrichtung. Sind alle drei erfüllt, entfallen sämtliche Nähte, und der Bedarf entspricht nicht mehr „Zuschnittlänge mal Bahnenzahl“, sondern schlicht der Querbreite selbst – in einem Beispiel sinkt der Bedarf dadurch von 5,9 m auf 3,86 m, eine Ersparnis von 2,04 m. Bei Stoffen mit erkennbarer Richtung – Längsstreifen, Samt mit Flor, gerichtete Blumenmuster – ist Querbehang ausgeschlossen, weil das Muster oder der Glanz dann seitlich statt nach oben verläuft.

Kräuselfaktor nach Bandtyp und die Namensfalle bei Falten

BandHöheZugverhältnis
1er Falte (= 2-Falten-Band)50 mm1:1,5 und 1:2
1er Falte90 mm1:1,5 und 1:2
3er Falte (= 3-Falten-Band)50 mm1:2 und 1:2,5
3er Falte80 mm1:2,5
4er Falte50 mm1:3
4er Falte80 mm1:2,5
5er Falte50 / 80 mm1:2,5
Bleistiftfalte50 mm1:2 und 1:2,5
Bleistiftfalte80 mm1:2
Smokband50 mm1:2,5
Smokband80 mm1:2 und 1:2,5
Wellenband80 mm1:2
Vitragenband35 mm1:2,5

Wichtige Namensfalle: „2-Falten-Band“ heißt nicht, dass am Ende 2 Falten entstehen, sondern dass eine Gruppe aus zwei Stoffschichten gerafft wird. Wer eine Einfachfalte (1er) will, kauft ein 2-Falten-Band (Faktor 1,65–2×); wer eine Doppelfalte (2er) will, kauft ein 3-Falten-Band (Faktor 2,1–2,8×). Weil das im Laden ständig zu Verwechslungen führt, verwendet dieser Rechner in der Oberfläche die Produktnamen statt einer reinen Faltenzahl.

Je nach Aufhängeart liegt der Kräuselfaktor typischerweise bei: Kräuselband/Universalband 2,0–2,5× (variabel je nach Zugstärke), Ösen 1,8–2,0×, Schlaufen 1,5–1,8×, Wellenband 2,0–2,2×, Smokband 2,5–3,0×. Zusätzlich gilt: Je transparenter der Stoff, desto größer sollte der Faktor sein – Organza etwa 3×, normaler Store 2,5× (bei großem Musterrapport eher 2×), dichte Dekostoffe mindestens 1,5×. Die Community von hobbyschneiderin24 weist zu Recht darauf hin, dass das Kräuselverhältnis technisch unabhängig von der Faltenzahl ist – trotzdem verkaufen Hersteller dieselbe Faltenzahl mit fest bedrucktem 1:2- oder 1:2,5-Verhältnis. Das Band legt also die Spanne fest, innerhalb dieser Spanne bleibt aber Spielraum. Deshalb füllt der Rechner beim Wählen eines Bandes einen Startwert vor, lässt ihn aber innerhalb der üblichen Bandbreite frei editierbar.

Fertiglänge, Zugaben und Stoffbreite im Handel

Zur Fertiglänge kommt je nach Aufhängeart eine feste Zugabe hinzu (Schöner-Leben-Praxis, Saumzugabe bereits eingerechnet): Ösenvorhang +45 cm, Schlaufenschal +55 cm, Tunnelschal +35 cm, aufgenähtes Gardinenband +35 cm, Schiebegardine +30 cm. Referenzpunkt ist immer der Aufhängepunkt an Schiene oder Stange – bei Ösen steht der Ring über die Stange über, das fängt die Zugabe mit ab.

Bei der Fertiglänge selbst gilt: fensterbanklang = Fensterbank minus 2 cm, unterhalb der Fensterbank = plus 10–20 cm, bodenlang = Boden minus 2–3 cm, aufliegend/Überlänge = Boden plus 10–30 cm. Bei der Stoffbreite ist 140 cm der mit Abstand häufigste Dekostoff-Standard in DE/EU, daneben 130 und 150 cm. Bei großen Fenstern lohnt sich Überbreite (280, 290, 295, 300, 305 oder 310 cm) – damit lässt sich die volle Breite ohne Naht in der Mitte zuschneiden. Im Laden lohnt sich der Blick aufs Etikett: Dieselbe Bandbezeichnung hat bei 50 mm und bei 80 mm Höhe oft ein anderes Zugverhältnis, und der Rapportwert steht meist klein an der Webkante gedruckt.